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Was Gründungen erfolgreich macht

Unternehmensgründungen boomen: In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl an Gründungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verdreifacht. Die Vorteile liegen auf der Hand. Neu gegründete Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, bringen Innovationen und dynamisieren Märkte. Pro Jahr entstehen durch Gründungen allein in Europa etwa vier Millionen Arbeitsplätze, weswegen der gründerische Geist bzw. entrepreneurial spirit nicht nur einen Beitrag zur Entwicklung von Ländern, sondern auch einen Beitrag zu deren Volkswirtschaft leistet. 

Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen bieten Unternehmensgründungen einen vielversprechenden Ansatz, da sie sowohl individuellen als auch kollektiven Aufschwung ermöglichen. Damit die Vorteile dieses Aufschwungs auch zutage treten, ist es wichtig, Gründungsinitiativen ausfindig zu machen, die erfolgsträchtig sind – denn nicht jede, sondern nur eine erfolgreiche Gründung bringt gewünschte Vorteile. Leider sind nicht alle Gründungen von Erfolg gekrönt. Allein in Deutschland war die Zahl der gescheiterten Unternehmen beispielsweise im Jahr 2014 höher als die der Neugründungen:  Es standen rund 348‘000 Liquidationen 310‘000 Existenzgründungen gegenüber. Angesichts des hohen Risikos zu scheitern, stellt sich die Frage, warum sich Personen selbstständig machen und ihre eigene Unternehmung gründen wollen bzw. was es für eine erfolgreiche Gründung und Selbstständigkeit braucht.

Warum sich Personen selbstständig machen und gründen wollen

Es gibt verschiedene Motive dafür, warum Menschen sich dazu entschliessen, ein Unternehmen zu gründen. Zentral ist die Unterscheidung zwischen Gelegenheitsgründungen und Verlegenheitsgründungen

Gelegenheitsgründungen liegt eine wahrgenommene Chance zugrunde. Im Zentrum steht der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung sowie danach, eigene Ideen umzusetzen. Gelegenheitsgründungen sind oftmals das Resultat von Unzufriedenheit mit der aktuellen Arbeitssituation oder dem Wunsch nach flexiblerer Zeiteinteilung sowie einer besseren Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben. 

Verlegenheitsgründungen dagegen erfolgen aus einer wirtschaftlichen Not. Wer sich aus diesem Grund selbstständig macht, tut dies oft mangels Alternativen und um die eigene wirtschaftliche Existenz zu sichern. Verlegenheitsgründungen sind daher oftmals eine Notwendigkeit und mit dem Ziel verknüpft, unbefriedigenden wirtschaftlichen oder arbeitsbezogenen Bedingungen zu entgehen. Vor allem Personen, die mit Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, können auf diesem Wege zu unfreiwilligen Gründer*innen werden. Dies führt auch dazu, dass der Anteil an unfreiwilligen Gründer*innen in Ländern mit niedrigem Einkommensniveau höher ist. Demgegenüber dominieren etwa in Deutschland klar jene Gründungen, die auf dem Ergreifen von neuen Chancen und Möglichkeiten basieren. Sogenannte Chancengründer*innen haben höhere Arbeits- und Lebenszufriedenheit, grösseren Unternehmenserfolg und schnelleres Unternehmenswachstum als Notwendigkeitsgründer*innen. 

Was braucht es für eine erfolgreiche Gründung und Selbstständigkeit?

Um ein produktives Unternehmen aufzubauen und mit den damit verbundenen Herausforderungen umzugehen, sind verschiedene Faktoren von Bedeutung: So spielen der Charakter der gründenden Person, eine tragfähige Geschäftsidee sowie geeignete situative Rahmenbedingungen beim Aufbau und Erhalt eines Unternehmens eine gewichtige Rolle. 

In Bezug auf den Charakter eines Entrepreneurs oder einer Gründerin wurde in der Sozialforschung festgestellt, dass Persönlichkeitsmerkmale den Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflussen. Es gibt tatsächlich eine Art «Gründer*innen-Persönlichkeit», die sich auch klar von der Persönlichkeit angestellter bzw. führender angestellter Personen unterscheidet. So zeigte sich in einer Untersuchung, dass Gründer*innen offener, gewissenhafter und emotional stabiler, aber auch weniger verträglich sind als Personen im Angestelltenverhältnis. Die genannten Eigenschaften wirken sich teilweise auch darauf aus, wie erfolgreich ein Unternehmen geführt wird: Gründer*innen, die offener für neue Erfahrungen, gewissenhafter, extravertierter und emotional stabiler sind, führen ihr eigenes Unternehmen erfolgreicher. Es konnte in Untersuchungen sogar festgestellt werden, dass die Persönlichkeitseigenschaften von Gründer*innen beispielsweise die Wachstumsrate der Unternehmen oder Verkaufsrate von Produkten und Dienstleistungen vorhersagen. Auch andere Eigenschaften wie Selbstständigkeit und Netzwerkfähigkeit haben einen Einfluss auf die Gründertätigkeit.

Jede Gründung entwickelt sich um eine Geschäftsidee, die im Idealfall nicht nur innovativ und nützlich, sondern auch wirtschaftlich tragfähig ist. Dabei gibt es Ideen, die auf Innovationen, Weiterentwicklungen oder Nachahmungen bestehender Produkte bzw. Dienstleistungen basieren. Gibt es eine Übereinstimmung zwischen Gründungsidee und Marktbedürfnissen, bietet sich eine unternehmerische Gelegenheit. Eine solche Gelegenheit zu erkennen und zu ergreifen, steht in engem Zusammenhang mit der Leistung und Wachstum eines Unternehmens.

Nicht zuletzt beeinflussen die situativen Gegebenheiten den Unternehmenserfolg maßgebend. Gründungsaktivitäten sind in verschiedenen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt. Dies liegt mitunter an den verschiedenen Rahmenbedingungen. So werden die Bedingungen für Startups in den USA als sehr positiv eingeschätzt, während jene in Deutschland und Österreich in Relation als weniger unterstützend wahrgenommen werden. Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben etwa unterstützende Institutionen oder Behörden am Gründungsstandort, finanzielle Absicherung sowie zur Verfügung stehende Zeitressourcen, die notwendig sind, um sich dem Aufbau der Selbstständigkeit anzunehmen. 

Wer hat Gründungspotenzial?

Um zu prüfen, ob eine angedachte Gründung zukunftsträchtig ist, eignet sich der Einsatz eines darauf zugeschnittenen Verfahrens: Der STAR Startup Check ist ein Instrument zur Testung von Personen, die am Beginn einer Gründung bzw. Selbstständigkeit stehen oder sich diesen Schritt überlegen. Er baut auf einem integrativen Drei-Komponenten-Modell zur Gründungskompetenz auf und richtet das Augenmerk nicht nur auf die gründende Person und deren Eigenschaften, sondern auch auf ihre Geschäftsidee und auf die Situation, in der sie sich befindet. Einsetzen lässt sich das Fragebogenverfahren beispielsweise im Rahmen eines beruflichen Coachings, einer Laufbahnberatung oder bei der Evaluation von Kreditvergaben für Startups. In allen Fällen wird damit festgestellt, ob eine Person mitbringt, was es braucht, um mit einer Gründung mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Markt bestehen zu können.

Prof. Dr. Jörg Felfe

Prof. Dr. Jörg Felfe: Dr. phil. habil., Diplom-Psychologe. Seit 2010 Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, 2006 bis 2010 Professor für Sozial- und Organisationspsychologie und Leiter des Student Service Center an der Universität Siegen, Habilitation 2003 an der Martin-Luther-Universität Halle (Saale), Promotion 1991 an der FU Berlin, Studium der Psychologie in Bochum und Berlin, seit 1993 Praxistätigkeit als Trainer, Coach und Berater. Visiting Professor an der University of Durham. Arbeitsschwerpunkte: Commitment, Führung, Personalentwicklung, BGM, Diagnostik und Evaluation. 

Assoz. Prof. Sabine Bergner

Assoz. Prof. Dr. Sabine Bergner: Mag. Dr. rer. nat., Psychologin. Seit 2015 Assoziierte Professorin am Institut für Unternehmensführung und Entrepreneurship der Karl-Franzens-Universität in Graz, Österreich. Davor wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der gleichnamigen Universität, betraut mit der Leitung und Durchführung verschiedenster Projekte in der Führungsforschung. Ausseruniversitäre Karriere als HRM-Managerin eines internationalen Konzerns und als Freelancer in der Personalauswahl und Führungskräfteentwicklung. Internationale Forschung an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Betriebswirtschaft durch Anbindung an die Hult International Business School in Grossbritannien. Arbeitsschwerpunkte: Führung, Entre-/Intrapreneurship, Personalauswahl sowie -diagnostik interindividueller Unterschiede im Arbeitskontext

Meret Hasler

Meret Hasler ist Psychologin und Projektmanagerin im Bereich Psychodiagnostische Testverfahren beim Hogrefe Verlag in Bern.

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