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„ich bin alles“ – Ein Infoportal zu Depression und psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen

Von Jana von Trott, Regine Primbs, Lucia Iglhaut, Sara Kaubisch, Ann-Kathrin Saffenreuther, Charlotte E. Piechaczek, Maria Kloek, Pia-Marie Keim, Carolin Zsigo, Lisa Feldmann, Gerd Schulte-Körne und Ellen Greimel.

Ein Screenshot der Startseite des Infoportals "ich bin alles"

Das Projekt & die Projektziele

Das Infoportal „ich bin alles“ klärt evidenz- und leitlinienbasiert über Depressionen und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf. Es richtet sich dabei sowohl an von Depression betroffene als auch an gesunde Kinder und Jugendliche sowie an deren Eltern. Das Projekt wurde 2018 von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des LMU Klinikums München (Projektleitung: Prof. Gerd Schulte-Körne; Co-Leitung: Prof. Ellen Greimel) gemeinsam mit der Beisheim Stiftung initiiert und im September 2021 gelauncht. Ziele des Projekts sind die Aufklärung über Depression und deren Präventions- sowie Behandlungsmöglichkeiten, die Stärkung psychischer Gesundheit und eine Verbesserung des Hilfesuchverhaltens sowie die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen wie der Depression. Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren und deren Eltern werden bei „ich bin alles“ niedrigschwellig, verständlich und wissenschaftlich fundiert über Depressionen und psychische Gesundheit informiert.

Der partizipative und nutzerzentrierte Ansatz ist dabei ein zentrales Kennzeichen des Projekts. Kinder und Jugendliche mit und ohne Depressionsdiagnose, Eltern sowie Fachpersonen aus Medizin, Psychotherapie, Pflege und Pädagogik wurden engmaschig in die Entwicklung einbezogen. Die so gewonnenen Perspektiven bildeten die Grundlage für die inhaltliche und gestalterische Konzeption. In der Entwicklung wurden umfangreiche Literaturrecherchen durchgeführt und die Inhalte evidenzbasiert aufbereitet, zudem wurden die Empfehlungen der S3-Leitlinie zur Behandlung depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter laienverständlich übersetzt und durch praktische Hilfestellungen ergänzt. Schließlich wurde die Gestaltung in enger Kooperation mit einer erfahrenen Design- und Kreativagentur nach den Prinzipien des User-Centered-Designs umgesetzt, um eine benutzerfreundliche Nutzung zu ermöglichen und die Inhalte präzise auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abzustimmen.

Aufbau und Inhalte

Ein buntes Bild mit Emojis auf dem steht "ich-bin-alles.de"

„ich bin alles“ besteht aus zwei verschiedenen, inhaltlich eng aufeinander abgestimmten Website-Bereichen: einem für Kinder und Jugendliche und einem für Eltern. Beide Versionen nutzen eine positive Ansprache und verfolgen das Ziel, fundiertes Wissen zu vermitteln und dabei Hemmschwellen abzubauen sowie psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. Gestaltung, Sprache und mediale Aufbereitung wurden dabei jeweils spezifisch an die Zielgruppen angepasst.

Die Inhalte sind jeweils in fünf zentrale Themenbereiche gegliedert, die unter anderem Wissen zu Symptomen, Ursachen, Diagnostik, Vorbeugung und Behandlung der Depression vermitteln: Depression erkennen, Depression verstehen, Psychisch gesund bleiben, Depression behandeln und Betroffene unterstützen. Multimediale Formate wie Videos, Podcasts, Grafiken und interaktive Elemente ergänzen dabei prägnante, leicht verständliche Texte.

Kinder und Jugendliche erhalten altersgerecht aufbereitete Informationen zu diesen Themenbereichen, einschließlich schulbezogener Fragestellungen und alltagsnaher Bewältigungsstrategien. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Prävention und Ressourcenstärkung, etwa durch kurze Übungen aus der positiven Psychologie („Mood-Ups“). Zudem schildern Jugendliche in Erfahrungsberichten, wie sie mit der Depression umgegangen sind und sie überwunden haben, wo sie Hilfe gefunden haben und welche Unterstützung für sie hilfreich war. 

Die Elternversion greift im Kontext der dargestellten Themenbereiche spezifische elterliche Fragen und Unsicherheiten auf, etwa zur Abgrenzung von Depression und pubertärer Entwicklung, zum Verhalten bei suizidalen Gedanken oder zu elterlicher Unterstützung während einer Behandlung. Auch hier stehen anschauliche, verständlich aufbereitete Informationen im Fokus, die Eltern aufklären, ihnen Orientierung im Hilfesystem geben und sie in ihrer Handlungssicherheit stärken. Die Inhalte werden dabei durch Beiträge von Fachpersonen sowie durch Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern ergänzt.

Auf beiden Website-Versionen führt ein dauerhaft sichtbarer „Hilfe-Button“ direkt zu einem Hilfebereich mit Notfallnummern, Krisenangeboten und konkreter Unterstützung bei der Suche nach therapeutischer Unterstützung und kinder- und jugendpsychiatrischen Behandlungsangeboten vor Ort.

Evaluation

Erste Inhalte der Website wurden bereits vor dem Launch wissenschaftlich hinsichtlich Verständlichkeit, Wissenszuwachs und Akzeptanz evaluiert. Seit der Veröffentlichung wird die Wirksamkeit und Akzeptanz der Website fortlaufend wissenschaftlich untersucht, zudem werden die Inhalte kontinuierlich bzgl. Qualität und Aktualität geprüft. 

In bisherigen randomisiert-kontrollierten sowie Prä-Post-Follow-up-Studien mit betroffenen und gesunden Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern zeigte sich ein signifikanter und nachhaltiger Wissenszuwachs sowie eine hohe Akzeptanz der Inhalte und Gestaltung (clinicaltrials.gov: NCT05300204, NCT05300217, NCT05335564, NCT05326178; Iglhaut et el., 2024; Kloek et al., 2026; Kloek et al., 2025). Weitere Studien evaluieren die naturalistische Nutzungserfahrung und die Wirksamkeit einzelner Formate wie der „Mood-Ups“ (z.B. Kaubisch et al., 2023).

Ergänzende Projekte: Social Media und „ich bin alles@ Schule“

Eine Illustration, schwarzgrundig, darauf neonfarbene Schulstühle und der Schriftzug "ich bin alles@schule""

Zur Erweiterung der Reichweite von „ich bin alles“ in der Zielgruppe der Jugendlichen werden ergänzend zur Website Social-Media-Kanäle auf Instagram, TikTok, YouTube und Snapchat betrieben. Dort werden fortlaufend niedrigschwellige Inhalte mit einem Fokus auf psychoedukativen Aspekten sowie der Entstigmatisierung veröffentlicht, wobei verschiedene zielgruppengerechte Formate (u.a. Reels und Erklärvideos) genutzt werden. Der Content wird dabei interaktiv gestaltet und lädt zum Mitmachen ein. Psychologische Fachkräfte des „ich bin alles“-Teams beantworten Fragen zeitnah und moderieren Kommentare, wobei explizit darauf hingewiesen wird, dass keine individuelle Beratung geleistet werden kann. Die professionelle Moderation soll dabei zum aktiven Austausch anregen und die Social-Media-Kanäle gleichzeitig als offenen und sicheren Ort für die Jugendlichen erhalten. 

Auf Basis des „ich bin alles“-Portals wurde 2023 zudem „ich bin alles @Schule“ (https://schule.ich-bin-alles.de/) entwickelt - ein eigenes Infoportal für Lehr- und pädagogische Fachkräfte. Studien belegen, dass mehr als 20 % der Schüler*innen psychische Auffälligkeiten aufweisen, wobei depressive Störungen mit einem erhöhten Risiko für schulische Leistungsprobleme, Klassenwiederholungen oder Schulabbrüche einhergehen können (Kaman et al., 2024; Schulte-Körne, 2016). Um entsprechend bedarfsgerecht fundierte und praxisnahe Informationen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im schulischen Umfeld bereitzustellen, vermittelt „ich bin alles @ Schule“ Wissen zu Ursachen, Symptomen, Häufigkeiten, Verläufen und Begleiterkrankungen depressiver Störungen bei Schüler*innen. 

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Wahrnehmung und Einordnung psychischer Belastungen im Schulalltag sowie auf der sensiblen und professionellen Kommunikation mit betroffenen Schüler*innen, Eltern, Kolleg*innen und externen Fachstellen. Darüber hinaus stellt das Portal Präventionsinhalte zur Förderung psychischer Gesundheit im schulischen Kontext bereit, etwa zu einer gesunden Lebensweise, zum Umgang mit Stress und zur Gestaltung eines unterstützenden Schulklimas. Ergänzend werden kostenfreie Fortbildungsformate für pädagogische Fachkräfte angeboten (https://app.digital-sparks.org/login/iba-Fortbildung).

Ausblick

Ein Button, auf dem steht: Hier geht es zum Infoportal "ich bin alles"

Im Rahmen der fortlaufenden Aktualisierung des Portals sind unter anderem die Integration der kürzlich aktualisierten S3-Leitlinie sowie die Erweiterung der Zielgruppen auf jüngere Kinder und junge Erwachsene im Transitionsalter geplant. 

Insbesondere vor dem Hintergrund der Zunahme von depressiven Symptomen und Erkrankungen bei Heranwachsenden leistet „ich bin alles“ einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über Depressionen im Kindes- und Jugendalter und verdeutlicht, wie evidenzbasierte und partizipativ entwickelte digitale Angebote einen nachhaltigen Mehrwert für Prävention, Entstigmatisierung und Hilfesuchverhalten schaffen können.

Zum Open Access-Artikel in der "Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie": „ich bin alles“. Ein webbasiertes Infoportal zu Depression und psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.

Depression – die Volkskrankheit

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