Skip to main content

Führung nach Maß? Wie ein Führungskompetenzmodell Klarheit schafft

Was bedeutet gute Führung konkret? Auf diese scheinbar einfache Frage gibt es in Unternehmen häufig unterschiedliche Antworten. Während einige Führungskräfte vor allem Orientierung und klare Entscheidungen betonen, erwarten andere Beteiligung, Empowerment oder operative Nähe. Bleiben diese Erwartungen unausgesprochen, entstehen Unklarheiten, die spürbare Folgen für das Führungshandeln, die Auswahl von Führungskräften und deren gezielte Entwicklung haben.

Kompetenzmodelle können hier eine wichtige Grundlage schaffen. Sie machen transparent, welche Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen für den Erfolg in einer Organisation entscheidend sind. Dabei übersetzen sie strategische Ziele und kulturelle Werte in konkrete Anforderungen an Mitarbeiter*innen und Führungskräfte.

Eine Frau in einer weißen Bluse an einem Schreibtisch, die mit einer Hand eine Geste macht und lächelt

Bild: Getty images / filadendron

Was Kompetenzmodelle leisten

Ein Kompetenzmodell beschreibt nicht nur, welche Kompetenzen benötigt werden. Es zeigt auch, woran diese im Arbeitsalltag erkennbar sind. Begriffe wie „strategisches Denken“, „Entscheidungsstärke“ oder „Mitarbeiterorientierung“ erhalten durch konkrete Beschreibungen und Verhaltensanker eine unternehmensspezifische Bedeutung.

Für HR entsteht so ein gemeinsamer Bezugsrahmen, der unterschiedliche Prozesse miteinander verbindet. In der Personalauswahl helfen Kompetenzmodelle dabei, Anforderungen eindeutig zu definieren und Kandidat*innen anhand relevanter Kriterien einzuschätzen. In der Personalentwicklung ermöglichen sie es, Stärken und Entwicklungsfelder gezielt zu identifizieren und passende Maßnahmen abzuleiten. Darüber hinaus können sie als Grundlage für Feedbackgespräche, Karrierepfade oder Nachfolgeplanung dienen.

Gerade für Führungskräfte ist diese Orientierung besonders wertvoll. Führung wird durch konkretes Verhalten erlebbar, zum Beispiel dadurch, wie Entscheidungen getroffen, Mitarbeitende einbezogen, Veränderungen begleitet oder Konflikte bearbeitet werden. Ein Führungskompetenzmodell schafft Klarheit darüber, welches Verhalten zur Strategie und Kultur des Unternehmens passt. Es gibt Orientierung, ohne individuelle Führungsstile zu vereinheitlichen.

Warum viele Modelle in der Praxis wenig Wirkung entfalten

Obwohl der Nutzen von Kompetenzmodellen weithin anerkannt ist, finden sie im Unternehmensalltag häufig nur begrenzt Anwendung. Die Ursache liegt meist nicht in der Idee selbst, sondern in der Entwicklung und Implementierung.

Manche Modelle sind zu abstrakt, zu umfangreich oder nicht ausreichend auf die jeweilige Organisation zugeschnitten. Werden allgemeine Kompetenzbegriffe übernommen, ohne sie mit der Unternehmensstrategie, der Kultur und konkreten Arbeitssituationen zu verbinden, fehlt der Bezug zur Praxis.

Auch die Art der Einführung beeinflusst die spätere Akzeptanz. Wird ein Kompetenzmodell hauptsächlich innerhalb von HR entwickelt und anschließend als fertiges Ergebnis vorgestellt, kann es schnell den Charakter einer top-down gesetzten Vorgabe bekommen. Führungskräfte erleben es dann nicht unbedingt als Unterstützung für ihren Alltag, sondern eher als losgelösten Prozess ohne unmittelbaren praktischen Mehrwert. Auch der praktische Nutzen bleibt begrenzt, wenn nicht von Anfang an konkret definiert wird, in welchen Prozessen das Modell eingesetzt werden soll. Erst wenn sichtbar wird, wie es beispielsweise Auswahlentscheidungen strukturiert, Feedbackgespräche unterstützt oder Entwicklungsmaßnahmen ableitet, wird aus dem Modell ein wirksames Instrument für den Führungsalltag.

Damit ein Kompetenzmodell wirksam wird, sollte es daher gemeinsam mit den relevanten Beteiligten entwickelt, in beobachtbares Verhalten übersetzt und konsequent in bestehende HR-Prozesse eingebunden werden.

Ein gemeinsames Führungsverständnis für die RAUMEDIC AG

Vor dieser Aufgabe stand auch die RAUMEDIC AG. Gemeinsam mit Hogrefe Consulting sollte ein Führungskompetenzmodell entstehen, das mit der Unternehmenskultur, den Unternehmenswerten und der Strategie im Einklang steht und Führung für unterschiedliche Bereiche, Rollen und Ebenen konkret beschreibbar macht.

Zu Beginn wurden die bestehenden Vorstellungen von Führung sowie aktuelle und zukünftige Anforderungen systematisch analysiert. Grundlage bildeten Interviews mit Führungskräften und Workshops mit HR und der Unternehmensleitung. Parallel wurden bestehende und geplante Personalprozesse betrachtet.  Dadurch wurde die Entwicklung des Modells von Beginn an mit der Frage verknüpft, wie es später als Grundlage für Auswahl- und Entwicklungsprozesse genutzt werden kann.

Die verschiedenen Perspektiven machten sichtbar, wo bereits ein gemeinsames Führungsverständnis bestand und an welchen Stellen Führung bislang unterschiedlich interpretiert wurde. Darauf aufbauend wurde das Kompetenzmodell schrittweise entwickelt und gemeinsam geschärft.

Ein zentraler Erfolgsfaktor war die konsequente Praxisorientierung. Die Kompetenzen wurden nicht nur benannt, sondern durch verständliche Beschreibungen, konkrete Verhaltensanker und typische Situationen ergänzt. Damit wurde beispielsweise nachvollziehbar, was strategisches Denken, Entscheidungsverantwortung oder Mitarbeitermotivation im Führungsalltag der RAUMEDIC AG bedeuten. Zugleich wurde sichtbar, woran Führungskräfte und Mitarbeiter*innen diese Kompetenzen im konkreten Verhalten erkennen können und wie sie sich für Feedback-, Entwicklungs- und Auswahlprozesse genutzt werden können.

Ebenso wichtig war die begleitende Kommunikation. In verschiedenen Formaten wurde transparent vermittelt, wie das Modell entstanden ist, welche Ziele damit verfolgt werden und wie es genutzt werden soll. Führungskräfte konnten Fragen stellen, Rückmeldungen geben und ihre Erfahrungen einbringen. Diese kontinuierliche Beteiligung unterstützte sowohl die Qualität als auch die Akzeptanz des Modells.

Heute dient das Führungskompetenzmodell als gemeinsame Referenz für Führungshandeln sowie als Grundlage für die Auswahl und Entwicklung von Führungskräften. 

Vom Modell zur gelebten Praxis

Der Best Case zeigt: Ein Führungskompetenzmodell schafft nicht automatisch gute Führung. Es schafft jedoch die notwendige Klarheit, um Führung gezielt zu entwickeln und Personalentscheidungen nachvollziehbarer zu gestalten.

Entscheidend ist, dass das Modell nicht als isoliertes HR-Instrument verstanden wird. Seine Wirkung entfaltet es dann, wenn es auf die Organisation zugeschnitten, gemeinsam mit den relevanten Beteiligten entwickelt und konsequent in die Praxis übertragen wird. So entsteht ein gemeinsamer Orientierungsrahmen für Führung, die zur Strategie, zur Kultur und zu den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens passt – Führung nach Maß.

Hogrefe Consulting

Eine Gruppe von Personen sitzt um einen Besprechungstisch und berührt sich in der Mitte mit den Händen

Unsere erfahrenen Berater*innen unterstützen Sie mit wirtschaftspsychologischem Hintergrund und praktischem Know-How bei Ihren diagnostischen Fragestellungen im Personalbereich.

Empfehlungen des Verlags

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Illustration eines Mannes in Businesskleidung in einem Kreis, umringt von weiteren Kreisen mit Darstellungen von verschiedenen Personen, zu sehen sind nur die gezeichneten Köpfe

360°-Feedback – fundierte und vollumfängliche Diagnostik in Organisationen

360°-Feedback liefert ein fundiertes Gesamtbild von Führungskompetenzen, indem es Selbstbild und Fremdeinschätzungen systematisch zusammenführt. Der…

Mehr erfahren

Das LEAD-Führungsfeedback

Wie können erfolgskritische Führungskompetenzen zuverlässig und valide erfasst werden?

Mehr erfahren