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COVID-19: Gratis Testverfahren für die psychologische Forschung

Hogrefe unterstützt Forschende mit digitalen Testverfahren. Was hinter dem Angebot steckt, erklärt Antonia Hogrefe im Interview.

Frau Dr. Hogrefe, der Hogrefe Verlag ermöglicht es derzeit, viele Testverfahren für bestimmte Forschungszwecke kostenfrei zu nutzen. Was genau steckt dahinter und welche Forschung wird gefördert?
Wir unterstützen Forschungsprojekte, die die psychologischen Aspekte der COVID-19-Krise, zum Beispiel ihre Auswirkungen auf das menschliche Denken und Verhalten, untersuchen. Hierfür können unsere elektronischen Testverfahren kostenlos und ohne zeitraubenden bürokratischen Aufwand auf unserer Testplattform HTS 5 eingesetzt werden.

Welche Probleme von Wissenschaflter*innen löst ein solches Angebot?
Forschende, die den Einfluss der Corona-Krise auf den Menschen untersuchen, müssen jetzt in möglichst kurzer Zeit Projekte auf die Beine stellen. Gleichzeitig können sie ihre Forschungsprojekte nur online und ohne Kontakt zu den Studienteilnehmenden durchführen, so dass sie auf digitale Verfahren angewiesen sind.

Digitale Verfahren liegen in vielen Sprachen vor

Zudem finden zurzeit weltweit wissenschaftliche Untersuchungen zu der Thematik statt. Und internationale Forschungskooperationen brauchen international einsetzbaren Testverfahren. Wir können digitale Verfahren, die meist in mehreren Sprachversionen vorliegen, ohne großen zeitlichen Aufwand und mit hoher Qualität zur Verfügung stellen. Das erspart Wissenschaftler*innen unter Zeitdruck, selbst Verfahren zu digitalisieren oder Fragebögen zu übersetzen und elektronisch zusammenzubasteln.

Studien sind ja durch die Pandemie nicht gerade leichter geworden. Wie kann ein System wie das HTS 5 hier helfen?
Das HTS 5 bietet Studienleiter*innen die Möglichkeit, ihre Studienteilnehmer*innen über einen einfachen Link zu erreichen und kontaktlos eine Vielzahl an Testverfahren durchzuführen sowie auszuwerten. Alle unsere elektronischen Testverfahren wurden mit diesem Durchführungsmodus validiert, so dass niemand darauf angewiesen ist, persönlich Instruktionen zu geben oder durch die Testdurchführung zu leiten, um aussagekräftige Daten zu erhalten. Dadurch kann die notwendige Forschung trotz aktueller Einschränkungen ohne Verlust von Datenqualität stattfinden.

Die Welt in einer Extremsituation

Warum ist es so wichtig, gerade jetzt psychologische Studien zu machen?
Die ganze Welt befindet sich zurzeit in einer Extremsituation, deren Effekte auf die Menschheit mit Sicherheit groß sein werden bzw. bereits sind. Nur selten gab es in der Vergangenheit vergleichbare Situationen (beispielsweise die SARS-CoV-Pandemie oder die Ebolafieber-Epidemien), von welchen wir als Gesellschaft lernen konnten.

Gleichzeitig sind wir jetzt auf Erkenntnisse darüber angewiesen, wie der Mensch auf Krisensituationen wie diese reagiert und wie negative Reaktionen wie posttraumatische Stresssymptome, Depressionen, Ängste oder auch familiäre Probleme verhindert oder zumindest abgeschwächt werden können. Maßnahmen wie soziale bzw. räumliche Distanzierung, Quarantäne und Isolation müssen basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den psychischen Folgen umgesetzt, koordiniert und begleitet werden. Von diesem Wissen hängt derzeit die ganze Welt ab. Daher ist es wichtig, dass jetzt viel und vielseitige Forschung von hoher Qualität zu der Thematik stattfindet.

Wie kam es zu der Idee, Hogrefe-Tests für die Forschung kostenlos bereitzustellen?
Im Verlauf der Corona-Krise hat sich auch im wissenschaftlichen Austausch eine unglaubliche, weltweite Solidarität entwickelt. Als wissenschaftlicher Verlag sind wir Teil dieses Austausches und können hier mit unseren Produkten hoffentlich einen unterstützenden Beitrag leisten. Wir sehen uns als Partner des Faches Psychologie und gerade jetzt haben wir die Möglichkeit, diesem Rollenverständnis gerecht zu werden. Unsere Testverfahren kostenlos bereitzustellen, ermöglicht es den Forschenden, mit hochwertigen und aktuellen Instrumenten valide Erkenntnisse zu erlangen. Dazu wollen wir gerne einen Beitrag leisten.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Hogrefe!

Zur COVID-19-Research Aktion

Dr. Antonia Hogrefe

Antonia Hogrefe ist promovierte Psychologin. Seit 2017 arbeitet sie im Hogrefe Verlag. Zuerst war sie als Lektorin am Standort Bern tätig und ist nun Projektleiterin in der Abteilung Forschung und Entwicklung der Hogrefe Verlagsgruppe.